Julius-Motteler-Gymnasium Crimmitschau - 2014 - Ein idealer Gatte

"Ein idealer Gatte" - eine beeindruckende Vorstellung

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 Fotoalbum zur 2. Vorstellung
Das Stück beginnt (und endet) nicht nur mit einem Paukenschlag – nahezu alle der 68 (!) Beteiligten „fluteten“ regelrecht die Bühne, angetrieben von schmissig-schräger Blasmusik (allein diese logistische Meisterleistung nötigt den Verantwortlichen Petra Schweiger, Christoph Scholtz und Kai Schweiger allen Respekt ab) – es ist auch selbst einer.
Schauspieler-Gruppe  
Fotos: L. Hanzig

Nachdem die Theatergruppe in den letzten Jahren vorwiegend mit komödiantischen Leistungen brillierte, bekam der Zuschauer diesmal „schwer verdauliche Kost“ vorgesetzt. Das Stück „Ein idealer Gatte“ von Oscar Wilde ist eine tiefschürfende Gesellschaftskritik, von den Hauptdarstellern und Skriptschreibern Sarah Graupner und Nico Holfeld mit zahlreichen aktuellen Bezügen in die Gegenwart geholt (es geht um einen Windpark, an dem sich einige Leute auf Kosten anderer eine „goldene Nase“ verdienen wollen). Auch die Musik, schon immer Kennzeichen der Theaterstücke des Gymnasiums, unterstreicht den ernsthaften Gesamteindruck; der Chor setzt das mit seinem ausschließlich schwermütigen und melodramatischen Gesang meisterhaft um. Und auch die Schauspieler gehen diesen Wandel mit. Sie werden – besser noch: sie reifen – vom Spaßmacher zum Charakterdarsteller.

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Besonders den vier Protagonisten des Stückes gelingt dieser Spagat meisterlich, wobei die beiden Damen unter ihnen noch ein Stück herausragen. Wie sich Lisa Franke als Politikergattin Lady Chiltern und besonders Sarah Graupner als intrigante Mrs. Cheveley in ihre Rolle hineinsteigern und im Verlauf des Stückes zu Hyänen werden, ist beachtlich. Nico Holfeld als Bürgermeister Robert Chiltern steht die Verzweiflung über seine selbst verschuldete Lage (korrupt, weil gierig; passend dazu, aber sicher zufällig wurde gerade einen Tag zuvor Bayern München-Manager Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt) mehr als einmal ins Gesicht geschrieben und sogar der sonst so stoische Ruhe ausstrahlende Schönling Arthur Goring (herrlich selbstverliebt gespielt von Kristof Tomasz) gerät aus der Fassung, als ein an ihn gerichteter Brief der Gattin seines Freundes in die falschen Hände gerät. Nicht erst an dieser Stelle entwickelt sich ein Ränkespiel, in dem munter jeder jeden erpresst zum eigenen Vorteil. Fast jeder hat „eine Leiche im Keller“ und eine Beziehung, von der die anderen nichts wissen dürfen. Auf einen Nenner gebracht könnte man den Inhalt des Stückes auch mit „Kabale und Liebe“ umschreiben. Manchmal verliert dabei der Zuschauer den Durchblick, und diese Verwirrung wird zusätzlich noch gezielt gesteigert durch eine nicht immer erklärbare Inszenierung. Warum treiben die beiden Butler (Julia Kreische und Julia Pieschel) vor allem Sport anstatt ihrer Arbeit nachzugehen? Welche Rolle spielen die vom Chor ausgefüllte Schreibstube oder die schweinchenrosafarbenen und fetten Weiber („Ärztin“ Theresa Stier und „Schuldirektorin“ Luisa Becker als komödiantischer Farbtupfer)? Und vor allem: Warum verschwindet die der Handlung durch ihre Rolle und ihr Spiel den Stempel aufdrückende Mrs. Cheveley (Sarah Graupner „teuflisch“ rot-schwarz gekleidet und „aufgetakelt wie ein Piratenschiff“) am Ende sang und klanglos? Weil sich ihre „klug eingefädelte“ Intrige zu einem Bumerang entwickelt?

  

Dass der Zuschauer den sprichwörtlichen „roten“ (oder besser bunten) Faden behält, dafür sorgt die opulente Ausstattung des Stückes. Eine besondere Rolle spielt dabei die Farbe – sie bringt sozusagen  Ordnung ins Spiel. Die Darsteller sind wortwörtlich bis in die Haarspitzen einfarbig „markiert“: neben den schon erwähnten auch Gorings Vater – (immer im ungünstigsten Moment mit Filzlatschen und Pelzmantel in die Szene platzend: Ina Birnstock) grau, Mrs. Cheveleys mit zahlreichen Ticks behaftete eitel-dümmliche Freundin Lady Markby (hochtoupiert: Julia Kunert) braun, Chilterns Schwester Mable (Saskia Graupner) türkis, seine Frau grün, sein Freund Arthur gelb, der Chor weiß (besonders bedrohlich in Chilterns „Albtraum“ als Untote auftretend) und die Tänzer (beginnen und begleiten mit ausdrucksstarkem Tanz) schwarz. Nur der „gebrochen deutsch“ sprechende französische Diplomat Bonaparte (Fabian Wilde) fällt zweifarbig „aus dem Rahmen“ (noch eine Frage: warum eigentlich?).

Zahlreiche weitere Neuerungen neben der charakteristischen Farbigkeit trugen zum Erfolg bei. Dazu gehört der Einsatz eines Erzählers (die erste Rolle des neuen Weihnachtskonzertmoderators Tom Saborowski), der am Anfang jedes Aktes die Zuschauer mit einem klugen Spruch von Friedrich Schiller verwirrt, oder die per Beamer eingeblendeten aktuellen Nachrichten und Wettermeldungen. Und nach dem Ende – quasi als I-Punkt der genialen Vorstellung – marschierte die fünfzehnköpfige (Big-) Band unter donnerndem Applaus trommelnd auf die Bühne und inszeniert sich und die anderen Akteure damit selbst. Mit Trommelwirbel werden auch Verantwortliche, Akteure und Sponsoren vorgestellt. Die Zuschauer müssen regelrecht gebremst werden in ihren Beifallsbekundungen. Am Schluss geht Sarah Graupner noch einmal kurz auf die Geschichte der Theateraufführungen des Gymnasiums ein und schlägt dabei gekonnt und selbstbewusst den Bogen zum Crimmitschauer Stadtrechtsjubiläum: "[…] das, was wir zu sagen wagen, ist: Auch DIES gehört zur Stadt und ihrer Geschichte." Dem ist wahrlich nichts hinzuzufügen.

L. Hanzig

   

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