Julius-Motteler-Gymnasium Crimmitschau - 2015 Macbeth

    Fotos: Hanzig
Bombastisch! Spektakulär! Genial! Großartig! -
Unsere neue Musiktheateraufführung „Macbeth“ schlägt alle Rekorde!

Dr. Martin Seidel, Fördervereinsvorsitzender des Gymnasiums und als Stadtrat in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters unter den Gästen der Premiere, sprach am Ende aus, was alle im Saal wussten, aber nicht für möglich gehalten hatten: „Die Theatergruppe hat es erneut geschafft, die kaum noch zu steigernde Leistung aus dem vergangenen Jahr noch einmal zu toppen. Mir fehlen die Worte. Ich bin tief beeindruckt!“ Es ist wirklich fast nicht in Worte zu fassen, was Schauspieler, Musiker, Tänzer und Sänger unter der professionellen Anleitung von Kai Schweiger und Christoph Scholtz von der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig auf die Bühne gebracht haben. Die darstellerischen und sprachlichen Leistungen der Schüler verdienen schon allerhöchstes Lob, aber mit welchem Einsatz und mit welcher Energie Daniel Röseler den Macbeth gab, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Vor allem wenn man bedenkt, welch umfangreichen Text der 18-Jährige neben den schon hohen schulischen Anforderungen zu lernen und zu bewältigen hatte.    [Zum Online-Fotoalbum geht es hier...]

Die Programmheftchen waren in der 2. Vorstellung nicht vorrätig.... SorrySchaupieler 2015 Tänzer 2015 Band 2015 
Aber auch Inszenierung, Dramaturgie, Musik und Tanz stellten alles Bisherige in den Schatten. An dieser Stelle muss das Bühnenbild noch einmal besonders herausgehoben werden, dessen Aufbau und das – nicht nur von der Größe – alle Dimensionen sprengte.
Zahlreiche Neuerungen trugen dazu bei, dem Stück die Aura von etwas Außergewöhnlichem zu verleihen. Das beginnt damit, dass es in diesem Jahr erstmals drei statt bisher zwei Vorstellungen gibt. Zum ersten Mal wagte sich das Ensemble an eine Tragödie, nachdem es bisher immer nur Komödien oder wenigstens Dramödien zu sehen gab. Dramaturgische Effekte sorgten dafür, dass das Stück räumlich und zeitlich in mehreren „Ebenen“ ablief: Zwei riesige Baugerüste flankierten die Bühne, (was den Besuchern gleich beim Betreten des Saales den Atem stocken ließ), auf denen sich die Darsteller schon fast akrobatisch bewegten, das Geschehen von „außerhalb“ der Bühne (und auch Macbeths Albträume) wurden auf eine Videoleinwand eingespielt. Lady Macbeth trat gleich in doppelter Ausführung auf, (eine besondere Leistung dabei war das synchrone Sprechen der Darsteller Julia Kreische und Saskia Graupner), was wohl die Rolle der Gattin des Protagonisten als treibender Keil des zerstörerischen Handelns verdeutlichen sollte. Fünf Tote auf offener Bühne und bis ins Publikum spritzendes „Blut“ unterstreichen besonders deutlich, dass es den jungen Leuten ernst ist mit ihrem Projekt und mit ihrem Anspruch, das Image des Komödiantischen abzulegen. Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass mit Jasper Ostrowski ein gerademal 11-Jähriger in die Garde der gestandenen Mimen aufgenommen wurde, (der auch gleich mit umgebracht wird).

Tänzer ChorFinale 2015
Shakespeares Stück ist zwar schon über 400 Jahre alt, aber immer noch aktuell. Dass die Gier nach Macht über Leichen führt, kann man tagtäglich in den Medien sehen und hören. Das deutlich zu machen gelang vor allem über Kulisse, Dekoration und Kostüm. Die Darsteller sprachen zwar die Originaltexte, (allein das nötigt Hochachtung vor den Schülerinnen und Schülern ab), das Stück spielt aber in der Gegenwart auf einer Müllhalde. Autoreifen, eine „Pennertonne“ (aus der immer passend zur Handlung Rauch aufsteigt), eine Mülltonne, eine alte Badewanne und Bauzäune unterstreichen die Dekadenz des Inhalts. Die handelnden Personen (einschließlich des Chores – und des Königs!) agieren als Penner, Obdachlose und Landstreicher in abgerissenen Klamotten, meistens mit der Bierflasche in der Hand. Selbst die weissagenden Hexen, als Straßenkehrer gekennzeichnet, torkeln mehr über die Bühne statt Ernsthaftigkeit auszustrahlen. Die Tänzer – in Frisur und Kostüm ebenfalls total „verwahrlost“ – treten als „Untote“ jeweils zu Beginn der zwei Akte auf mit einem Ausdruckstanz (zu „schräger“ Musik der Liveband), der sich weit weg von konventionellen Maßstäben bewegt.
Es war eine „schwere Kost“, die den Besuchern zugemutet wurde. Aber was die gesamte Truppe mit dem absolut stimmigen Stück auf die Bühne gebracht hat, war mehr als eine Entschädigung dafür, dass es diesmal nichts zu lachen gab, sondern dass einem ein ums andere Mal das Blut in den Adern gefror. Standing Ovations am Ende (gleich bei der ersten Vorstellung – auch eine „Premiere“) und lang anhaltender Beifall sind Ausdruck dafür und Beweis, dass der eingeschlagene Weg des Theaterprojektes zu neuen Ufern der richtige ist.

L. Hanzig

   
© Julius-Motteler-Gymnasium 2012-2016