Im Schuljahr 2016/17 feierten wir an unserer Schule „100 Jahre erstes Abitur in Crimmitschau“. Eine damals oft gestellte Frage war, warum wir nicht „100 Jahre Abitur“ feiern. Die aus diesem Anlass herausgegebene Festschrift klärte den Sachverhalt auf: Nicht über die gesamte Zeit von 100 Jahren konnte an unserer Schule das Abitur abgelegt werden, denn  1982 endete diese Ausbildung und konnte erst 1990 wieder aufgenommen werden. Damit begehen wir im September 2020 aber ein neues Jubiläum, nämlich „30 Jahre Wiederaufnahme der Abiturausbildung in Crimmitschau“. Mit dem nachfolgenden Auszug aus der erwähnten Festschrift, die zugleich eine Chronik der Schule ist (und für 7 Euro im Sekretariat erworben werden kann), möchten wir dieses Jubiläum würdigen:

Die Zeit um 1980 ist mit einem Rückschlag für das Crimmitschauer Schulwesen verbunden. Auf Regierungsebene wurde beschlossen, dass alle Schüler der DDR gemeinsam die Klassen 1 bis 10 besuchen und die Prüfung der zehnten Klasse der neuen POS (Polytechnische Oberschule) ablegen sollen. Erst danach (bisher nach Klasse 8) durften ausgewählte Schüler auf die EOS gehen. An diesen „Erweiterten Oberschulen“ konnte seit 1960 in der DDR das Abitur abgelegt werden.

Durch diesen Beschluss verloren die EOS ihre Vorbereitungsklassen 9 und 10 und mussten dann in nur zwei Jahren die Schüler verschiedener (!) POS zum Abitur führen. Die Erweiterten Oberschulen wurden dadurch kleiner, und manche sogar überflüssig. Im damaligen Kreis Werdau gab es zwei EOS, Werdau und Crimmitschau. Man entschied sich für die Auflösung von Crimmitschau. Sicher hat dabei eine Rolle gespielt, dass Werdau Kreisstadt war, in der bereits die regionalen Machtorgane saßen, auch der Kreisschulrat. Die Julius-Motteler-Schule behielt ihren Ehrennamen, wurde aber zur einzügigen zehnklassigen POS mit Schülern von Klasse 1 bis 10. Bei Schülern und Eltern in Crimmitschau sorgte der längere Schulweg nach Werdau für Unmut. Sie hatten aber keine Wahl. 1982 legten die (vorerst) letzten Klassen ihr Abitur in Crimmitschau ab.

In der Wendezeit 1989/90 brachen verkrustete gesellschaftliche Strukturen auf und es bot sich die Möglichkeit, die Abiturausbildung wieder nach Crimmitschau zu holen. Mit Unterstützung der Stadt wurde 1990 die zehnklassige POS „Julius Motteler“ wieder zur Erweiterten  Oberschule. Nach der Umstrukturierung und der Bildung der Oberstufenklassen erhielten im Juni 1992 – nach zehnjähriger Unterbrechung – die ersten 47 Schüler wieder ein Abitur in Crimmitschau. 1992 wurde auch der Name angepasst: An der jetzt „Julius-Motteler-Gymnasium“ heißenden Schule lernten nun 776 Schülerinnen und Schüler in 33 Klassen, die von 54 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet wurden. Einen wesentlichen Anteil an der Neugründung und dem Aufbau der EOS/des Gymnasiums hatte Herr Dieter Mehlhorn. Er war von 1990 bis 1996 Schulleiter dieser Einrichtung.
Während die EOS der DDR zuletzt nur die Klassenstufen 11 und 12 umfasst hatte, bestand das Gymnasium nach Sächsischem Schulgesetz aus den Klassen 5 bis 12. Dafür reichte die Raumkapazität des Stammhauses Lindenstraße 6 nicht aus. Mit der Schulnetzplanung von 1992 wurde das Gebäude der 1979/80 entstandenen POS „Wilhelm Pieck“ („Westbergschule“) am Grünen Weg 38 als zweites Schulhaus dem Gymnasium zugeordnet. Es beherbergt die Klassenstufen 5 bis 8, während im „Haus Lindenstraße“ die Klassen 9 bis 12 unterrichtet werden.

Mit der Wiederaufnahme der Abiturausbildung einher geht auch die Geschichte unseres Fördervereins, der sein 30-jähriges Bestehen am 8. November feiern kann. Auch darüber kann in der Festschrift nachgelesen werden:

Unmittelbar nach Wiederaufnahme der gymnasialen Ausbildung im September 1990 reifte die Erkenntnis, dass ein Förderverein die Arbeit an der Schule wesentlich unterstützen kann. Bereits im November 1990 gründeten daher engagierte Eltern und Lehrer den „Förderverein des 1. Humanistischen Gymnasiums Crimmitschau e.V.“. Der Verein wurde dann am 17. Januar 1991 unter der Nummer VR 71070 ins Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender war Herr Täufel, dem bis 1997 Herr Riese im Amt folgte. Seitdem ist Dr. Martin Seidel Vorsitzender. Zahlreiche Projekte wurden vom Förderverein initiiert, finanziert und teilweise auch selbst durchgeführt, beispielsweise die Anschaffung der Tischtennisplatten in beiden Schulhäusern, der Bau des Fahrradständers im Haus Lindenstraße, die Einrichtung von Klubräumen in beiden Häusern oder die Organisation von Ehemaligentreffen. Wichtigste Aufgabe des Vereins ist aber die Unterstützung von Schülern in vielfältigster Weise. Die  öffentliche Vergabe von Förderpreisen ist dabei nur die „Spitze vom Eisberg“.

Die Abiturientinnen und Abiturienten des letzten Jahrganges erreichten einen der besten Abiturdurchschnitte im Landkreis. Damit gehen wir ins nächste Jahrzehnt unseres Bestehens.

L. Hanzig

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